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UMKEHR


Für alles Funkeln des Lichtes,
das dir die Gnade gegeben,
verbrachte ein andrer sein Leben 
länger in Dunkel und Nacht.
Blieb er nicht stehen für dich 
auf einst gemeinsamen Wegen,
dass Weisheit dir würde und Licht?
Ward dir denn alle Erleuchtung
Goldglanz im eigenen Hause?
Kehrtest nicht um du,
rufend, gegangene Wege,
suchend den Freund
und die Blüten der Liebe?
Mochtest du nicht 
ihn nun erst wirklich verstehn?
Du Weisheit meines höhern Ich,
die über mir den Fittich spreitet
und mich vom Anfang her geleitet,
wie es am besten war für mich, –

Wenn Unmut oft mich anfocht: nun –
Es war der Unmut eines Knaben!
Des Mannes reife Blicke haben
die Kraft, voll Dank auf Dir zu ruhn.

Christan Morgenstern

Lebensvolle Vernunft und klar stehender Verstand


„Die Gottheit aber ist wirksam im Lebendigen, aber nicht im Toten; sie ist im Werdenden und sich Verwandelnden, aber nicht im Gewordenen und Erstarrten. Deshalb hat auch die Vernunft in ihrer Tendenz zum Göttlichen es nur mit dem Werdenden, Lebendigen zu tun; der Verstand mit dem Gewordenen, Erstarrten, daß er es nutze.“
Goethe zu Eckermann

Problemstellung


Die im Leben immanent anwesende Weisheit stellt den Menschen an jene Stelle seines Einzellebens, an dem der Mensch seine individuellen Probleme lösen kann. Allerdings leben und wesen in seinen Problemen nicht nur seine eigenen - auch die ungelösten Probleme der ganzen Menschheit.
Johann Wolfgang Busch
'Liebe ist Erkenntnis, Schönheit ist das Geheimnis ihrer Erkenntnis, und so tief ist dies Geheimnis, daß es sich keinem mitteilt als nur dem Liebenden.'
Bettina von Arnim: Goethes Briefwechsel mit einem Kinde
'Die Erde liegt im Äther wie im Ei, das Irdische liegt im Himmlischen wie im Mutterschoß, die Liebe ist der Mutterschoß des Geistes.
Es gibt keine Weisheit, keine Erkenntnis des Wahren, die mehr will, als die Liebe zu ihr.'
Bettina von Arnim: Goethes Briefwechsel mit einem Kinde

 
Die wahre Lebensweisheit besteht darin,
im Alltäglichen das Wunderbare zu sehen.
Pearl S. Buck
Der Anfang aller Weisheit
ist
die Verwunderung.

Aristoteles
"Ja, solange man die Meinung hat, daß man durch Denken oder Verarbeiten von Begriffen oder, sagen wir, denkendes Verarbeiten von Erfahrungen zur Wahrheit, das heißt zur Übereinstimmung mit irgendeiner objektiven Wirklichkeit kommen soll, solange man sich dieser Meinung hingibt, solange ist es tatsächlich eine recht schlimme Sache, wenn einem gezeigt wird, wie man das eine beweisen kann und auch das genaue Gegenteil beweisen kann.
Denn wie soll man da durch die Beweise zur Wirklichkeit kommen!
Wenn man sich aber erzogen hat dazu, daß das Denken überhaupt gerade da, wo die entscheidenden Dinge in Betracht kommen, nichts entscheidet über das Wirkliche, wenn man sich energisch dazu erzogen hat, das Denken bloß aufzufassen als Mittel, um weiser zu werden, als ein Mittel, seine Selbsterziehung zur Weisheit in die Hand zu nehmen, dann stört das nicht, daß das eine Mal das eine und dann das andere bewiesen werden kann."

R.Steiner, GA 134, 2.Vortrag
Seinen Mut muss Weisheit leiten
Und List muss mit der Stärke streiten.
Schiller (Der Kampf mit dem Drachen)
Die Kunst der Weisheit besteht darin,
zu wissen, was man übersehen muss.
William James