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"Die Menschheit wird erst glücklich sein,
wenn alle Menschen Künstlerseelen haben werden,
das heißt, wenn allen ihre Arbeit Freude macht."

Johann Wolfgang von Goethe

Unglück, Glück ?

Das Unglück
oder das Glück
was immer es ist
hält seine schmale
zerbrechliche Hand
im Schoß
und hält seinen Schoß
in der Hand
und hat helles Haar
und spricht
oder singt
mit weicher Stimme
für Ohren
die sonst nichts mehr
hören wollen
als es.
Erich Fried



Kleine Erde

Kleine Erde!
Kleine Werde!
Bist vielleicht ein Dutzendball! 
Unerschöpflich ist das All.
Bist vielleicht kein sondrer Himmel 
im Gewimmel
der Myriaden,
bloß ein Himmelchen und Höllchen, 
bloß ein spärlich Nebenröllchen, 
Boden zwar für Gottaufgänge,aber selbst voll Not und Enge.
Und doch, doch,
du karge Scholle,
dürftst du noch einmal mich laden, 
ja wohl viele Male noch! 
Du aus Mann und Weib geballte, 
gottesjunge, gottesalte!
Du - trotz aller Abseitsrolle – 
Göttin mit den Möglichkeiten 
allerletzter Tragischheiten, 
allerletzten Glücks und Leides, - 
Mutter und Geliebte ... Beides ...
Christian Mogenstern
So lange wir nicht ruhevoll-gelassen
vermögen, Glück wie Unglück zu ertragen.
So lange werden wir die Welt nicht fassen.

Wir müssen ohne Lieben, ohne Hassen
so Leid und Lust nach ihrem Sinne fragen.
Nur so wird Sinnentrug zu Schein verblassen
erst dann vermag uns Gott Sein Wort zu sagen.

Christian Morgenstern
Die Sehnsucht läßt alle Dinge blühen,
der Besitz zieht alle Dinge in den Staub.
Marcel Proust
Ich liebe dich, du Seele, die da irrt
im Tal des Lebens nach dem rechten Glücke,
ich lieb dich, die manch ein Wahn verwirrt,
der manch ein Traum zerbrach in Staub und Stücke.

Ich liebe deine armen wunden Schwingen,
die ungestoßen in mir möchten wohnen;
ich möchte dich mit Güte ganz durchdringen,
ich möchte dich in allen Tiefen schonen.
Christian Morgenstern
"Wird die Liebe in der Seele geboren, dann wird der Mensch
auch in der Außenwelt die schaffende Liebe sehen können."
Rudolf Steiner

"Hat in der Mitte des 19. Jahrhunderts der Mensch geglaubt, nur durch Kampf zur Vollkommenheit vorzudringen und dadurch den Kampf zum großen Weltgesetz gemacht, so müßte er jetzt lernen, das in seiner Seele auszubilden, was das Gegenteil des Kampfes ist: die Liebe, welche das Glück und das Wohlergehen des einzelnen nicht trennen kann von dem Glück und dem Wohlergehen des anderen; welche in dem anderen nicht denjenigen sieht, auf dessen Kosten man vorwärtskommen kann, sondern denjenigen, dem man helfen muß. Wird die Liebe in der Seele geboren, dann wird der Mensch auch in der Außenwelt die schaffende Liebe sehen können."
Berlin, 29. September 1904 (GA 53)
Leis auf zarten Füßen naht es,
vor dem Schlafen wie ein Fächeln:
Horch, o Seele, meines Rates,
laß dir Glück und Tröstung lächeln -:
Die in Liebe dir verbunden,
werden immer um dich bleiben,
werden klein und große Runden
treugesellt mit dir beschreiben.
Und sie werden an dir bauen,
unverwandt, wie du an ihnen, -
und, erwacht zu Einem Schauen,
werdet ihr wetteifernd dienen!

Christian Morgenstern
apropos Licht+Liebe:
Wenn man immer nur in Richtung Sonne guckt,
sieht man nie (s)einen Regenbogen !
J.M. Hesse
Von der Demut vor dem Charisma
(Autorin: Gitta Peyn)

Wir alle werden mit besonderen Gaben, herausragenden Fähigkeiten geboren. Gaben und Fähigkeiten, die so und in dieser Kombination einzig uns eigen sind, niemand anderem.

Wir erwerben sie uns nicht, wir müssen nichts dafür leisten, dass wir sie haben, es liegt keine Anstrengung in ihnen, keine Qual hat uns zu ihnen geführt, sie sind voller Gnade. Sie schenken uns Freude, einen Platz in dieser Welt, wenn wir den Mut haben, ihn für uns zu fordern. Sie machen uns ruhig und vertraut mit uns selbst, sie erfüllen uns, und wenn wir sie erkannt haben und wertzuschätzen gelernt, dann machen sie uns auch zu einem Menschen, der Auge, Gnade, Gemüt und Sinn auf seinen Nächsten auszurichten vermag.

Und weil das so ist, weil wir sehen können, dass sie einfach mitgegeben wurden, können wir erkennen, dass sie in allerhöchstem Maße transzendent sind, dass sie nicht von dieser Welt sind, dass sie uns von Gott mitgegeben wurden. Sie sind ein Geschenk unserer göttlichen Seele an unser Leben und an unsere Welt. Sie gehören uns nicht, und doch machen sie den Kern unseres Seins aus, unseres Wesens, und alles Unglück rührt nur daher, dass wir diesen Kern nicht sehen können, weil diese Welt aufs Besitzen ausgerichtet ist.

Man hat sich selbst, man hat Dinge, man hat sogar einen Lebenspartner und Kinder. Doch nichts auf dieser Welt ist von Dauer, außer unserem Charisma, denn es ist das einzige, was nicht von dieser Welt gekommen ist. Das Charisma ist die Struktur unseres Seins, es ist das Nest, in dem sich unsere Seele ausrichtet. Es kommt von woanders her, und deshalb bleibt es.

Zu erkennen, dass Charisma nicht von dieser Welt ist, dass es von Gott gegeben wurde, zu erkennen, dass es uns nicht gehört: Ist das nicht ein erstaunlicher Gedanke? Und passt er nicht zu vielen anderen, die uns kommen, wenn wir versuchen, uns ein Stückchen Wahrheit einzufangen?

So, wie dieser hier, dass es der Erleuchtung keineswegs egal ist, wie sie erlangt wird, denn sie kann auf Unrecht nur entstehen, wenn es getilgt wird, doch wenn sie erlangt wurde, ist es ihr egal, dass sie erlangt wurde, und das ist essenziell und direkt verbunden mit dem Gedanken, dass uns Charisma nicht gehört. Unser Wesenskern und unsere erleuchtenden Erkenntnisse gehören zusammen. Die Erleuchtung ist nichts anderes, als zu erkennen, was der Fall ist und was es braucht, um zu sehen, was der Fall ist, und das ist Mitgefühl, Empathie. Und Mitgefühl und Empathie sind nur erreichbar, wenn wir Respekt hegen können vor uns selbst, doch was ist Respekt? Ist nicht Respekt zunächst und vor allem erst einmal das Gefühl vor etwas, was selten und würdevoll ist? Muss nicht Respekt stets verbunden sein mit Demut, sonst verheiratet er sich mit Neid?

Und wenn wir ihn erlangt haben, diesen Respekt vor uns selbst und diese Demut vor unserem Charisma, dann haben wir erkannt, dass wir, unser gesamtes einzigartiges Ich voller Wert sind und dass dies für jeden einzelnen Menschen gilt und dass jeder einzelne Mensch in seinem Wesenskern von göttlicher Natur ist, göttlichen Ursprungs, in die Welt hineingeschenkt, nicht von dieser Welt.

„Namasté“ sagen die Inder: „Ich grüße den Gott in dir!“ sagen sie.

Wir haben ein Recht darauf, stolz zu sein auf die Einzigartigkeit unseres Seins und darauf, was wir mit unserem Charisma in dieser Welt tun. Wir erkennen, dass wir unser Charisma tun, dass es uns leicht fällt, und weil es uns leicht fällt, kann der Stolz auf uns selbst kein Besitzstolz sein, sondern es muss ein Stolz sein darauf, in einer lebendigen göttlichen Seele zu ruhen, die sich in Freude und Mitgefühl und Liebe in dieser Welt erfüllt, weshalb es ein fließender Stolz ist, kein seiender.

Aller Schmerz in dieser Welt kommt vom Besitzen her. Und das gilt auch für das Charisma. Wenn wir versuchen, jemand zu sein, werden wir zwangsläufig immer jemand anders. Nur dann, wenn wir erkennen, dass das, was uns vollkommen und einzigartig macht, von Gott gekommen ist und von Gott lebendig gemacht wird, kann es uns mit jener trunkenen Freude und jener trunkenen Liebe zu allem Lebendigen erfüllen, dass wir frei von Schuld demütig sein können, denn wir schulden Gott nichts, Gott verschenkt sich ohne zu verlangen.

Und so tun auch wir es! Dieses großartige Geschenk in uns auszubauen und in die Welt zu tragen, ist unsere Unterstützung der Arbeit Gottes, dass wir seine Gaben mit noch mehr Leben füllen, und so erkennen wir die größte aller Gaben, die uns mitgegeben wurden: Dass wir Anteil haben an der Schöpfung selbst, denn wir spüren, wenn wir so tun, dass WIR es sind, dass WIR es leben, dass WIR genau da mitten drin sind, und das bedeutet, wir sind in Gott.

Es spielt keine Rolle, ob du an Gott glaubst oder nicht, um diesen Gedanken zu folgen. Es ist bedeutungslos, welcher Religion du zugehörig bist, ob du ein spiritueller Freigeist sein möchtest oder den atheistischen Gedanken liebst, denn wenn du mir bis hierhin gefolgt bist, hast du gesehen, dass es etwas in dir gibt, das nicht von hier stammt, dass ein großartiges Spiel mit Myriaden von Möglichkeiten etwas geschaffen hat, das leicht und einzigartig ist und das dir einen Platz gezeigt hat für und in dieser Welt.

Es ist große Schönheit in diesem Gedanken, denn er macht uns frei, und was uns frei macht, ist immer wahr. Er zeigt uns, dass wir keinen Besitz brauchen, denn das Wertvollste, was unser Eigen ist, ist nicht von besitzender Natur, sondern von geschenkter. Eine große Gnade wurde jedem Einzelnen von uns zuteil, und ich bin davon überzeugt, dass die Einsicht in diese Gnade die Welt heilen kann, denn die Welt ist krank, weil wir besitzen wollen, und der Gedanke an Besitz ist nicht vereinbar mit dem Gedanken an Charisma, er ist bestenfalls ebenfalls als Geschenk vereinbar, und dann erkennen wir, dass er sich einfügen muss in unser Charisma, sonst ist er nicht von Wert.

Mit etwas Mut können wir den Blick abwenden vom Besitz hin auf das Charisma und woher es kommt, und dann erkennen wir die Gnade, und wenn wir die Gnade erkannt haben, werden wir umgehend glücklich und wenn wir glücklich geworden sind, erfüllt uns das Mitgefühl gleich einem strömenden Fluss der Liebe, denn daraus wird es geboren, aus der Liebe, die uns eigen ist, die die größte Kraft in unserem Charisma ist und die selbst göttlicher Natur ist, denn so wurde auch sie uns mitgegeben und gehört uns nicht und darf deshalb frei fließen.

Amen.
Und war der Tag nicht dein Freund,
war er wenigstens dein Lehrer. 

Laotse
Wer sich zwischen den Sternen bewegt,
kann nur noch lächeln
über die kostbaren Fußböden der Reichen
Lucius Annaeus Seneca
Das Glück muss entlang des Weges gefunden werden - nicht am Ende der Straße.
Ist jeder seines Glückes Schmied?
Wahres Glück ist ein Geschenk der Götter.
Der Weise schmiedet das ihm zuteil gewordene
Glück mit den Hammerschlägen
tiefer Selbsterkenntnis.
J. Matthias Hesse
Um erfolgreich zu sein benötigt man zweierlei:
Unwissenheit und Selbstvertrauen.
Mark Twain
Ein glücklicher Mensch besitzt Mut,
der notwendig ist, das Leben nicht zu fürchten,
dem Leben nicht auszuweichen.
Albert Schweizer
Das wahre Glück
Ist die Genügsamkeit
Und die Genügsamkeit
Hat überall genug.
Johann Wolfgang von Goethe
Es scheint, dass die Natur, welche die Organe unseres Körpers so weise
zu unserem Glück eingerichtet hat, uns auch den Hochmut gegeben hat,
um uns den Schmerz der Erkenntnis unserer Unvollkommenheit zu ersparen.
François de La Rochefoucauld