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UMKEHR


Für alles Funkeln des Lichtes,
das dir die Gnade gegeben,
verbrachte ein andrer sein Leben 
länger in Dunkel und Nacht.
Blieb er nicht stehen für dich 
auf einst gemeinsamen Wegen,
dass Weisheit dir würde und Licht?
Ward dir denn alle Erleuchtung
Goldglanz im eigenen Hause?
Kehrtest nicht um du,
rufend, gegangene Wege,
suchend den Freund
und die Blüten der Liebe?
Mochtest du nicht 
ihn nun erst wirklich verstehn?

Einsamkeit

EINSAMKEIT
Gestern Nacht wünscht ich, du wärst bei mir gewesen -
aus Einsamkeit hab ich ein Buch gelesen,
von unsres Kaspar Hausers tiefem Seelenleid -
und von der Kraft in ihm, der Seele ohne Streit.
Da sah ich was mein eig'nes Leben hemmt -
was mich vom großen wahren Leben trennt:
Die Lust der Vielen, die im Innern streiten,
ein Kampf, wahrhaftig - noch aus alten Zeiten!
Ich fragte ihn: "Wie kann ich mich befrein?"
"Lern' lieben", sprach er, "Mensch lern' zu verzeih'n!
Der Streit gleicht einem tausendköpf'gen Drachen.
Ist's Außen still, so ist's der inn're Rachen.
Zum Fressen, ja, da ist er stets bereit,
und gut frißt er - ist unter Menschen Streit.
Wer den besiegt, der kennt die Ewigkeit -
Die Andern träumen nur und nennen es die Zeit!
Und du mußt einsam sein solang' du dies nicht fasst,
und mit dem Menschen noch die inn're Gottheit hasst.
Ewig vereint nur werden jene Menschen sein:
Die wahrhaft Liebenden - die stets aufs Neu' verzeihn!"
Getrost das Leben schreitet
zum ewgen Leben hin;
von innrer Glut geweitet
verklärt sich unser Sinn.
Die Sternenwelt wird zerfließen
zum goldnen Lebenswein,
wir werden sie genießen
und lichte Sterne sein.

Die Lieb ist frei gegeben,
und keine Trennung mehr.
Es wogt das volle Leben
wie ein unendlich Meer.

Nur eine Nacht der Wonne -
ein ewiges Gedicht -
und unser aller Sonne
ist Gottes Angesicht.

- Novalis -
Nachts im Wald
Bist du nie des Nachts durch den Wald gegangen,
wo du deinen eigenen Fuß nicht sahst?
Doch ein Wissen überwand dein Bangen:
Dich führt der Weg.
Hält dich Leid und Trübsal nie umfangen,
daß du zitterst, welchem Ziel du nahst?
Doch ein Wissen übermannt dein Bangen:
Dich führt dein Weg.

Christian Morgenstern
Gedicht von Novalis
aus "Hymnen an die Nacht"

Getrost, das Leben schreitet
Zum ew'gen Leben hin;
Von innrer Glut geweitet
Verklärt sich unser Sinn.

Die Sternwelt wird zerfließen
Zum goldnen Lebenswein,
Wir werden sie genießen
Und lichte Sterne sein.

Die Lieb ist frei gegeben,
Und keine Trennung mehr.
Es wogt das volle Leben
Wie ein unendlich Meer.

Nur eine Nacht der Wonne –
Ein ewiges Gedicht –
Und unser aller Sonne
Ist Gottes Angesicht.

Novalis
Geistes-Gegenwart
kann
sein
wie ein Teelicht
in der Nacht
am Ufer
eines
großartig still
vor mir liegenden
Meeres
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J. Matthias Hesse