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Vom ewigen Leben



Ich singe das Lied des Lebens,
wie Tausende vor mir
und Tausende nach mir.
Es ist eine Lüge zu sagen:
Leben ist Fluch,
den Tag zu verleumden
um seiner Nacht willen.
Wenn du einmal
aufgehoben wurdest
bis zum Gipfel der Liebe,
dann weißt du,
dass dort die Welt geheiligt liegt,
dass du dorther das große Ja
riefst, vergessend des geistigen Hochmuts,
dankbar wie das Tier,
wie die Pflanze,
lebend, liebend,
aufrecht, wie der Stamm,
der am Felsenhang noch,
ein Pfeiler, zum Lichte wächst.
Und sollt' ich es je,
zermürbt,
zerbrochen,
verfluchen, -
es war' eine Lüge.
Denn über allem Gram und Grauen
waltet unirrbar
ewiges Wachstum,
legionenweltig
auf jedem Geviertschuh
der aber und aber Legionen Welten.
Ich singe das Lied des Lebens
mit dem Vogel zu meinen Häupten,
und der Blume zu meinen Füßen
und dem Baum und dem Bach
und den Wolken und wehenden Winden, -
und es ist nicht mehr
als das Zirpen einer Grille, -
aber wir sollten es alle singen,
Millionen Menschen, Brüder und Schwestern,
an jedem Morgen,
dem Lichte zugewandt,
mit einer Seele,
unirrbar,
wie die Tanne,
die noch am Felsenhang,
kerzengerad,
zum Himmel emporwächst.

Christian Morgenstern

Die freie Begegnung

Durch Wünsche, die in unklar formulierten Worten heimlich leben, nehmen sich die Menschen gegenseitig Versprechungen ab.
Durch ihre Versprechungen treiben sie sich gegenseitig in die Pflicht.
Und in der Pflicht verlieren sie das Wunder der freien Begegnung, das sie anfangs doch mit großer Dankbarkeit erfüllte.

Die reinste Form des Wahnsinns ist es,
alles beim Alten zu lassen und gleichzeitig
zu hoffen, dass sich etwas ändert.
Albert Einstein

Die Kraft des Geistes

Auszüge aus dem Diogenes-Büchlein "Mahatma Gandhi / Die Kraft des Geistes" (Auswahl von Schriften über/von Gandhi, ISBN 3-257-70138-1) auf die sich z. gr. T. der Blog-Eintrag in wandelpfa.de bezieht.

"Um wie Franz von Assisi die Armut zu heiraten"

"...wo er der leisen inneren Stimme lauscht, >the still small voice<,..."

"Gandhi sucht nach einer Bezeichnung des indischen Widerstandes (...). Aus mannigfachen Überlegungen und Versuchen schält sich schließlich der Name Satyagraha heraus. (...) Satya heißt Wahrheit. Satyagraha bedeutet unbeirrbares Sich-an-die-Wahrheit-Halten."

"Gandhis Wesen gerät in Schwingung, wenn er das heilige Wort Satya nur hört. Für ihn ist Wahrheit das Herz aller Dinge - identisch mit Gott.
(...) ist Wahrheit mächtiger als jede Macht der Welt. Kein anderes Machtmittel vermag, was Wahrheit vermag."

"Der Satyagrahi verzichtet auf Gewalt, weil durch Gewalt niemals etwas Gutes entstehen kann."

"So ist Satyagraha ein Kampf (...) auf verschiedenen Ebenen (...). Vor dem Widerstand nach außen kommt der Widerstand nach innen: gegen eigene Unlauterkeit und Feigheit, gegen die Lüge in der Tiefe des Herzens. Selbstläuterung zuerst! (...) Für Lüge, Täuschung oder bloße Taktik ist kein Platz; der Satayagrahi muss ohne solche Mittel üblicher Politik auskommen. Am gefährlichsten wäre die Selbsttäuschung, wenn man sich über die eigenen Motive und Antriebe etwas vormacht..."